Auferstanden? Hoffentlich nicht so!

Schon lange hatte man sie angekündigt, die neue Welle monumentaler Bibelverfilmungen. Die Medienstelle geht sofort in Lauerstellung, die Spannung steigt. Zunächst kommt „Noah“, ein bisweilen heftig und kontrovers diskutierter Film, dem ich durchaus herausfordernde Aspekte abgewinnen kann. Dann kommt „Auferstanden“, mit Joseph Fiennes in der Hauptrolle. Kaum ist die DVD erschienen, kommen die ersten Verleihanfragen. Ich widme dem Film einen Sichtungsabend und bin zunächst gefesselt. Ein faszinierender Ansatz, den Regisseur Kevin Reynolds in Szene setzt: Sucht den Lebenden nicht bei den Toten! Die drastischen Bilder der Exhumierung Gekreuzigter mögen zwar nicht ganz an Mel Gibsons „The Passion of the Christ“ heranreichen, doch zum Spannungsaufbau dienen sie allemal. Wo ist er denn, wenn nicht bei den Toten?

Was so verheissungsvoll beginnt, erhält bei den ersten Andeutungen einer Auferstehung Jesu Risse. Scheinbar lebt Jesus in der Erfahrung seiner Anhänger weiter. So drastisch Reynolds Exhumierungsbilder sind, so banal und fantasielos sind die Bilder und Szenen im mittleren Drittel des Films: Jesu Anhänger werden der Reihe nach verhaftet und lassen mit dem Tribun Clavius auch den Zuschauer erahnen, dass Jesu Reich nicht von dieser Welt ist. Mit ebenso ziellosem wie seligem Blick in das durchs Fenster hereinscheinende Licht, und mit einem unerklärbaren Lächeln auf dem Gesicht lassen sie Clavius (und uns) erkennen, dass sie in anderen Sphären leben. Und in diesen Sphären ist weder ein Militärtribun noch irgendeine Macht der Welt von Bedeutung. Die Bilder kommen mit bekannt vor …

Doch es kommt noch schlimmer. Als vertraue das Drehbuch nicht der kreativen Kraft des christlich geprägten Geistes (der inspirierenden Kraft der Bilder scheint man ohnehin nicht zu vertrauen), taucht nun der aus amerikanisch-freikirchlichen Filmproduktionen hinreichend bekannte, ewig gütig lächelnde Kumpel-Jesus persönlich im Film auf und erschlägt so den letzten Zweifel des suchenden Clavius. Auch damit nicht genug: Um bei dem Beweis der Auferstehung noch einen oben draufzusetzen, wirkt der Auferstandene sofort ein paar beweisträchtige Wunder (habe ich beim Bibellesen nicht aufgepasst?). Schliesslich geht Jesus seinen Freunden und dem Tribun nach Galiläa voraus, sie folgen ihm nach. Es folgt das dicke (Film-)Ende: Jesus sendet seine Anhänger in die Welt, während er sich in einem Atompilz auflöst, dessen Druckwelle nicht nur die Zuschauer erschüttert und blendet. Durch geschickten Perspektivwechsel der Kamera wird das gleissende Licht des Atompilzes nun zu einem Heiligenschein, der die Bedeutung der Person Petrus markiert. Ermattet sinke ich in den Sessel zurück. Einer Fata Morgana gleich erscheinen vor mir Bilder aus dem älteren Fim „Apostelgeschichte – Die Bibel live“ von 1997, in deren Anfangsszene die Himmelfahrt Jesu als reales Raumfahrtunternehmen in Szene gesetzt wird.

Spannend und einsetzbar ist der Bibelstreifen allemal: als interessantes, wenn auch nicht nachahmenswertes Beispiel für einen Jesusfilm. Oder für einen Szenenvergleich mit anderen Bibelverfilmungen. Aufschlussreich ist speziell der Vergleich mit anderen Auferstehungsszenen, etwa in Roger Youngs „Die Bibel: Jesus“ von 1999 oder in der Auslegung von Denis Arcand in „Jesus von Montreal“ (1989). Im Szenen- und Bildervergleich zeigen sich durchaus überraschende und eine Diskussion anreizende Aspekte.

 

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