Der Koffer von Chris Naylor-Ballesteros

Mit «Der Koffer» hat Chris Naylor-Ballesteros ein einfühlsames Bilderbuch geschaffen zum Thema Toleranz und Gastfreundschaft. «Für alle, die in der Ferne ein neues Leben begannen», so schreibt der Autor es in seiner Widmung.

Eines Tages taucht bei Fuchs, Hase und Vogel ein seltsamer Fremder auf. Müde und staubig ist er und hat nichts als einen Koffer bei sich. Dass der Fremde neben seiner Lieblingstasse auch sein Zuhause im Koffer haben will, macht die drei misstrauisch. Aus lauter Neugier brechen sie den Koffer auf, als der Fremde erschöpft einschläft. Zum Vorschein kommen tatsächlich eine zerbrochene Tasse – und ein Foto von seinem Zuhause. Der Fund nagt an ihrem Gewissen und so kleben sie die Tasse zusammen und bauen eine Hütte für den Fremden. Und jetzt wollen sich alle besser kennenlernen.

Das Auftauchen eines Fremden wirft unverzüglich Fragen auf: Woher ist er gekommen? Was will er hier? Diese Situation kennen nicht nur Erwachsene aus der Migrationsbewegung, sondern auch Kinder, wenn in den Kindergarten, in den Spotverein oder Nachbarschaft ein neues Kind kommt. Wie also vorgehen, wenn man vor einer solchen Herausforderung steht? Misstrauen und Vorurteile helfen kaum weiter, sie können höchstens verletzen und verhindern die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schliessen. Sich auf den anderen einlassen und seine Geschichte anhören hilft oft und erweitert zudem den eigenen Horizont.

Die Bilder hat Naylor-Ballesteros selbst gezeichnet. Die schlicht dargestellten Figuren, einschliesslich Koffer und Tasse, zeigen sich meist auf weissem Hintergrund und werden so in den Mittelpunkt gerückt. Die Tiere sind schön farbig, und jedes weist einen eigenen Charakter auf: der misstrauische Fuchs, der neugierige Vogel und der einfühlsame Hase. Ihre drei Eigenschaften werden raffiniert in die Geschichte eingewoben. So bringen die Vorurteile des Fuchses und die Neugier des Vogels die drei dazu, den Koffer aufzubrechen, und mit der Fürsorge des Hasen gelingt es schliesslich, dem Fremden ein Friedensangebot zu unterbreiten.

Diese Geschichte thematisiert nicht nur die Toleranz gegenüber Fremden, sondern zeigt auch geistreich auf, wie nach einem Fehler das schlechte Gewissen an einem nagt und wie man den Patzer wieder gutmachen kann. Eine Botschaft nicht nur für Kinder!

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