Gewaltfreie Kommunikation in der Schule

Zunächst in eigener Sache: Seit ein paar Wochen bin ich selbst wieder in den Schulalltag eingetaucht – schweren Herzens verlasse ich das Relimedia-Team per Ende März. Für die vielen erfrischenden und wohlwollenden Begegnungen in den letzten Jahren bin ich Ihnen allen sehr dankbar.

***

Meist kommt es anders als geplant … Es können sich überraschende Unterrichtsmomente voll gegenseitiger Bereicherung ergeben. Aber auch Irritationen, Unverständnis, Respektlosigkeit gehören zum Schulalltag. Wer würde da nicht gern wie eine Giraffe den Überblick bewahren und keck den Kopf in Richtung Himmel strecken?

Die Giraffe mit ihrem langen Hals und einem besonders kräftigen Herzen ist das Symboltier der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (1934–2015) geworden. Der amerikanische Psychologe hat diese Methode entwickelt, weil er ergründen wollte, was sich hinter Konflikten verbirgt. Er war überzeugt davon, dass eine lebendige, an Gefühlen und Bedürfnissen orientierte Wahrnehmungs- und Sprechweise deeskalierend wirke. Mit der sogenannten Giraffensprache lasse sich in vier Schritten eine friedliche Lösung herbeiführen:

  1. Ich beobachte die konkrete Situation, ohne sie gleich zu bewerten oder zu interpretieren.
  2. Ich spreche das Gefühl an, das damit verbunden ist.
  3. Hinter dem Gefühl liegt ein Bedürfnis, das gerade erfüllt ist oder nicht – und das den Weg zu einer kreativen Lösung weist.
  4. Das Bedürfnis mündet in eine Bitte, die formuliert werden kann und im Hier und Jetzt umsetzbar ist.

Ein Rezept mit Geling-Garantie? Wohl kaum … Mitten im Durcheinander aus Vorbereiten und Korrigieren sehe ich es eher so:

Gewaltfreie Kommunikation ist kein Allheilmittel. Aber sie zielt auf einen respektvollen Umgang untereinander, der in gleicher Weise von Autonomie und Verbundenheit, von Zusammengehörigkeit und Wachsen-Können geprägt ist.

Gewaltfreie Kommunikation ist keine Fluchtbewegung aus dem Alltag hinaus, macht aus Schulen nicht Idealwelten ohne Noten, jenseits von richtig und falsch. Wenn aber offene und zugewandte Beziehungen die Basis bilden, gestaltet das die Atmosphäre entscheidend mit, Lehren und Lernen werden leichter und das Leben in der Schule angenehmer.

Gewaltfreie Kommunikation ergibt sich nicht von selbst, aber sie lässt sich einüben. Da kommt es wie gerufen, dass derzeit eine reiche Palette an Neuerscheinungen (und Neuauflagen), darunter auch empfehlenswerte Arbeitshilfen und Kartensets für die schulische Praxis, zum Experimentieren einlädt.

In einem dieser Medien bin ich auf das frühlingshaft ermutigende Zitat der jüdischen Dichterin Nelly Sachs gestossen: «Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Grösseres.» Hat die Giraffe deswegen einen so langen Hals?

***

Kartensets

Arbeitshilfen

Bücher

 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit einem * markiert.

  • Finger Ruedi

    Liebe Frau Pilgram
    Danke für ihren Beitrag auf der reli media- Homepage.
    Jedesmal wenn ich ihr Buch „Sagen kann man es nicht“ zur Hand nehme denke ich an unsere Begegnung im reli media. Seither habe ich mit meinem zehnjährigen Enkel einen
    Handykonflickt überstanden -der Bub wollte nur noch spielen und keine Geschichten mehr hören. Nun kann ich ihm vor dem Einschlafen wieder ein Gebet aus dem Buch „Immer mal wieder zum Himmel schauen“ (Gebete für Kinder) von Katrin Wexberg(Hg)vorlesen. Meine Giraffe hat wieder einen gewissen Ueberblick. Herzliche Grüsse Ruedi Finger